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Filmpremiere WEIT in der Schauburg

 

Mittwochabend in der Schauburg, der große Leone-Saal ist sehr gut gefüllt. Um mich herum Menschen, die von ihrer letzten Reise erzählen oder ihre Pläne für die nächste offenbaren. Zur Einstimmung auf die weite Reise zeigt die Schauburg das Musikvideo von Ezé Wendtoin „Daheeme“Reisen und Heimat sind ja irgendwie immer sehr eng miteinander verbunden. Jeder Mensch ist auf der Suche und Reise seine Heimat zu finden, doch oft hilft es erst einmal loszuziehen, fort von allem Vertrautem und Gewohnten, ab in das Ungewisse und Neue.

 

Patrick und Gwen aus Freiburg machen es auf ihre eigene Art und Weise vor und lassen uns in diesem Film an ihren Erfahrungen teilhaben. Von Deutschland nach Indien, ohne die Erde zu verlassen, im ständigen Kontakt zum Land oder Wasser, nie fliegend, bepackt nur mit dem Nötigsten in zwei großen Rucksäcken, viel Zeit und dem Versuch, am Tag mit 5€ auszukommen, geht es 2013 los. Von Freiburg aus, wollen sie so weit in den Osten gehen, dass sie vom Westen wieder nach Hause zurückkehren. Per Anhalter reisen sie los, über den Balkan nach Moskau. Dann weiter durch Zentralasien und den Kaukasus. Permanent im unmittelbaren Kontakt zu den Menschen, eingetaucht in die Kultur. Durch Pakistan, Indien, Nepal, das Karakorum- Gebirge und die Mongolei. Sie reisen per Anhalter und schlafen in ihrem kleinen Zelt, arbeiten in Projekten, schlafen auf den Sofas von Couchsurfern.

Dann in Sibirien die Überraschung: Gwen ist schwanger. Kurzerhand werden neue Pläne geschmiedet, eine Kajüte auf einem Containerschiff von Japan nach Mexiko gebucht und ab dem Frühjahr 2015  geht die Reise zu dritt weiter. Die Art der Reiseform ändert sich somit im Vergleich zum ersten Jahr. Die junge Familie legt sich einen alten Bus an, mit dem sie ein Jahr lang durch Mittelamerika reisen, um sich als Familie kennenzulernen

Die 1200 Kilometer von Barcelona nach Freiburg werden zur letzten Reiseetappe. Ein letztes Mal ändert sich ihre Art des Reisens, sie schnallen sich wieder die Kraxen auf die Rücken und laufen dreieinhalb Monate durch Europa und stetig heimatlichere Landschaften

Die Reise ist eine Geschichte über Vertrauen, über Loslassen und sich „Darauf-einlassen“. Ein Geben und Nehmen. Über Grenzen, die meist nicht bei Begegnungen mit Menschen und in deren Köpfen, sondern vor allem an den Landesgrenzen und bei Behörden auftauchen oder dem eigenen Durchhaltevermögen und über Heimat. Der Film strahlt Lebensfreude und Neugier aus, er ist ein traumhafter Beweis für Freundschaft, die über jeglichen Differenzen, seien es Länder, Sprachen oder Kulturunterschiede hinwegsieht.

Die Bilder rasen nur so an dem Zuschauer vorbei, das erste halbe Jahr der Reise ist in einer halben Stunde des Films erzählt. Es ist anstrengend, die lauten, bunten, ja schrillen Farben Indiens zu sehen, doch es kommt ein Schnitt und in der nächsten Sequenz sitzen die beiden wieder im Wald vor ihrem Zelt und es herrscht absolute Stille. Es sind auch diese extremen Gegensätze, die den Film sehr kurzweilig machen.

Der Film zeigt, dass nicht immer alles so klappt, wie man es sich vorgestellt hat und das manchmal gar keine konkrete Planung die Beste ist.

Am Ende des Films fühlt man sich den beiden Filmemachern unglaublich nahe. Man hat das Gefühl, die beiden in den letzten 2 Stunden gut kennengelernt zu haben. Nachdem der Applaus verklungen ist, beantworten Gwen und Patrick  den Zuschauern in der Schauburg selbst die neugierigsten Fragen zur Hausgeburt in Mexiko mit einem Lachen und sympathischem Humor.

Für alle Reiselustigen, Weltenbummler,  Aussteiger und alle die von Abenteuerreisen träumen: der Film läuft ab nächster Woche täglich in der Schauburg.Weitere Termine

Für alle, denen der Film zu schnell durch die einzelnen Länder rannte, der kann sich danach auf der Website den Rest des Filmmaterials ansehen und genauere Eindrücke der Länder bekommen.

Text: Barbara Staudenmaier

Fotos: Gwendolin Weisser und Patrick Allgaier

 

 

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Allgemein Musik

Fil Bo Riva – A mad man in the Groove

ON THE 23th APRIL 2017 , A SUNDAY EVENING OR RATHER A SUNDAY NIGHT, WE SAW A MAN BEHIND SHADOWS AND A GIRL WITH A STRONG VOICE: FIL BO RIVA WITH LISA MITCHELL AT THE GROOVESTATION

Behind the Band

The Grooves‘ Station

For the newcomers in the city of Dresden or for those who are not very active once the sun goes down, Fil Bo Riva’s concert was the perfect opportunity to discover the famous GrooveStation. From an almost empty bar around 8 o’clock – understandable as the days are getting longer and people less inclined to show up on time – it turned into a jam-packed, colourful nightclub by the time the singer appeared on stage. And he eventually appeared. In the meantime the growing audience could enjoy the soft but confident voice of Lisa Mitchell, the sadness, happiness and honesty of her songs, which allowed us to enter the privacy of her world. Alone on stage, guitar in the hands, she sang a few of her love stories, a mix of folk and indie pop, and a slight British touch. The lyrics are often very simple, sometimes even resembling lullabies, but the charm of her voice and the sincerity of her words appealed to us. The soothing and flowing atmosphere lingered on for a while after Mitchell left the stage, a good time to get one more drink and chat a little. Too bad it took so long for Fil Bo Riva’s concert to start. Full glasses in the hands, cigarettes smoked, the audience was starting to lose patience. It did not stop the crowd to get bigger and bigger and at some point I even wondered if the walls just moved and the room expended as it looked so different from the empty bar I entered less than two hours before.

Lisa Mitchell

 The Appearance

And he appeared. Without even seeing him on stage, one understood that something was happening. Voices of obvious fans were getting louder, people started to wriggle, fog and smoke filled up the room and bright colours finally lit up the singer. With a laid-back attitude and a deep, raspy voice he immediately seduced his audience which started to dance and follow the beats of the drum and the sensuality of his voice. The 24-year-old ventured a few unintelligible jokes which only the fans facing him appeared to understand. He kept the excitement on the edge with abrupt song endings, mixing beats and dynamics with softer and melancholic rhythms.

Fil Bo Riva in groove

The jam-packed room did not allow much dancing so for those who wanted to relieve themselves of the week’s stress and unleash their passions on the dance floor, the concert was a perfect way to start the night and get ready to dive into the next clubbing atmosphere.

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SUMMARY

Groove station: Good for chilling and having a drink at the bar, as well as for smaller „one person on the stage“ concerts or sweaty audience and band connections but too small for Fil Bo Riva, I guess it would have been better for his poetic performance to have a little distance with the audience.

Fil Bo Riva: A talented young guy from Rome, Dublin and now Berlin. My expectations were not met, live not so „blow me away“ like in stereo, a little bit disappointing in that way.

Lisa Mitchell: A girl from Down Under, nice voice and honest lyrics, once a participant of the show Australian Idol (by the way), I want to see her again!


Text: Louise Demelas

Summary: Bianca Kloß

Fotos: Susann Schmidt

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Allgemein

Poetry Slam zum Asisi Panorama „Dresden 1945“

Im Stadtteil Reick im Dresdner Südosten finden wir die Überreste einer alten Dresdner Gasanstalt. Zwei Gastanks stehen noch und in einem der beiden findet nun Kultur statt. Wo sich früher die Kubikmeter  ausbreiteten, strömen nun Besucher in den Behälter welcher nun im halbjährigen Wechsel zwei 360 Grad Panoramen des Künstlers Yadegar Asisi beherbergt. „Dresden im Barock“ und „Dresden 1945“. Auf 27 Meter hohem bedrucktem Stoff sieht der Besucher ein immenses Wimmelbild mit vielen versteckten Details. Das Bild „Dresden 1945“ ist eine Moment Aufnahme nach der Bombennacht. Es ist überfüllt mit grauem Schutt. Ein tragischer Anblick. Die Augen sind überfordert von den vielen kleinen Teilchen und nur langsam gelingt es mittendrin einzelne Szenerien zu erspähen. Auf 3000 m² Bildfläche ein zerstörtes Dresden – sonst ein Museum, öffnet das Panometer seine Pforten heute Nacht für eine besondere Veranstaltung. Stühle stehen im Rund und Menschen sitzen gespannt und fein geputzt in froher Erwartung an das was heute Abend passieren soll. Poetry Slam. Ein Wettstreit der Dichter.

Vier der Besten Slammer*innen Deutschlands fassen die Februar Bombardements lyrisch in Worte. Der junge Moderator Christian Meyer schafft es trotz des schweren Themas für eine lockere Atmosphäre zu sorgen. Mit dabei sind Wahl-Dresdnerin Bonny Lycen, Carmen Wegge, Rudi W. Berger – mit 92 Jahren der älteste Slammer Deutschlands und Sven Hensel seinerseits PoetrySlam Meister von Nordrhein-Westfalen.

Der Slam zusammengefasst in einem Poetry:

Beim Eintritt, nach jedem Schritt, ein neuer Blick, immerzu verzwickt.

Rauchschwaden am Himmel, zerbombte Häuser – welch Wimmel

Bild umrundet die Betrachter, beträchtlich nach Details trachtend.

Zu Asisis Kunst gesellt sich Poesie, das ist audiovisuelle Magie.

Poetry Slam im Panometer, Dresden ’45 steht auf dem Tachometer.

Runde eins thematisch offen, es wird bunter Reim vergossen.

Sven Hensel outet sich als Wunderbärchen, erzählt ein Angst-Mut-Märchen.

Carmen Wegge lädt zum Männerabend ein, Held Marco Reus wird dabei sein.

Bonny Lycen torkelt an der Elbe entlang, zur Liebeserklärung einen Hang

und Rudi W. Berger ist auch von der Partie mit der Umweltaktivistin Franzi.

Runde zwei erfordert Dresden ’45 Bezug und somit auch viel mehr Mut.

Eintauchen in Bombenhagel und Tod, undankbare Gedanken – Blutrot.

Sven Hensel als Zeitreisender unterwegs, spricht dreisprachig stets.

Carmen Wegge im Hier und Jetzt, beobachtet Fremdenhass, der verletzt.

Bonny Lycen ist mittendrin, Fliegeralarm und tote Kinder – einfach nur schlimm.

und Rudi W. Berger mit seinen 93 Jahren, will den Zeitzeugenblick wahren.

Respect the poet, so Christian Mayer zu Moderationsbeginn.

Respect the homeless, the current refugee, so der schließende Aussagesinn.

Die Publikumsjury- sechs an der Zahl – hat bei der Wertung die Wahl:

Gewinnerin Bonny beendet die Show mit Luther, Goethe und Tim Bendzko.

Noch bis zum 11. Juni lässt sich das tragische Bild bewundern, dann wird gewechselt und ab dem 17. Juni bestaunt der Besucher wieder das prunkvolle Barocke Dresden.

Text: Vinzenz Buhl, Poetry: Birte Gemperlein

Fotos: Kiss & Tell Communication

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Allgemein Musik

9. Sinfoniekonzert in der Semperoper

Vor 190 Jahren wurden die Palmsonntags-Konzerte eingeführt. Ursprünglich waren sie als Benefizkonzert gedacht, um Hinterbliebenen von verstorbenen Musikern finanziell unter die Arme zu greifen. Reinhard Goebel leitet diese Konzerte jetzt seit 5 Jahren in der Semperoper. Dieses Mal wurde von der Sächsischen Staatskapelle Dresden und von dem Dresdner Kammerchor das Oratorium „Holder Friede, heilger Glaube“ und „Dettinger Te Deum“ aufgeführt. Vorher gab es vom Dirigenten eine ziemlich interessante Einführung zu den Stücken und Komponisten. 

Georg Philipp Telemann

„Holder Friede, heil`ger Glaube“ ist ein Oratorium zum Andenken an den 200 jährigen Religionsfrieden und wurde von Telemann geschrieben. Dieses Jahr wurde es anlässlich seines 250. Todestages aufgeführt. Telemann hat über 3000 Musikstücke geschrieben, darunter 1600 Kantaten. Wenn man die Noten zählt, um so den Anspruch der Stücke mit denen von Johann Sebastian Bach zu vergleichen, wären es nur 208 Kantaten. Telemann schrieb viele Übungsstücke für Anfänger und für normale Bürger, um sie nach dem Krieg wieder an die Musik heran zu führen. Außerdem schrieb er Tafelmusiken, welche manchmal auch über 6 Stunden gehen konnten. So konnte man sich die Festmusik des Königshauses in die Bürgerliche Stube holen. Telemann schrieb auch Musik für Dresden, welche sehr virtuos war. Telemanns Werke sind unter den historischen Aspekten zu sehen und zu spielen, wegen musikalischer Besonderheiten würde man sie jetzt eher nicht aufführen.

Händel

Händel schrieb auch Staatsmusik. Die Instrumente und Musik symbolisieren den Krieg. Zum Beispiel Trompetenfanfaren als „Kommunikationsmittel aus der Handy-freien Vorzeit“. Er war musikalisch mit Bach verbunden und mit Telemann befreundet. Deshalb hat er auch Teile aus der Tafelmusik Telemanns verwendet, als er in einer Schaffenskrise steckte. In dem heutigen Werk werden die Arien vom Chor gesungen, da die Räumlichkeiten, in denen es damals gesungen wurde, für Solosänger zu groß gewesen wären. In den Chören wird ein winzig kleiner Textabschnitt immer wieder gesungen bis man meint, es müsse eigentlich jetzt gleich zu Ende sein – und dann dauert es aber noch sehr lang. Diese Stücke sollen die großen Engelschöre symbolisieren, welche sich singend vor Gott verbeugen.
Holder Friede, heil`ger Glaube

Den vier Solosängern wurden verschiedene Rollen zugeteilt. Die Religion wurde von Daniel Ochoa (Bariton) gesungen, der Friede von Sophie Karthäuser (Sopran), die Geschichte von Martin-Jan Nijhof (Bass) und Lothar Odinius (Tenor) sang die Andacht. Im kompletten Stück war die Begleitung eher ruhig und erhaben. Außerdem konnte man die Texte auch in der Musik hören. Wenn von Donner, Blitz und Gewalt gesungen wurde, wurde die Musik auch sehr aggressiv und man hat diese förmlich herausgehört. Der Abschluss war sehr pompös und es ging mit unglaublich viel Applaus in die Pause.

Dettinger Te Deum

Was mir als erstes auffiel, als die Musiker nach der Pause den Saal betraten, war, dass es mehr Trompeten gab als vorher. Die Musik war sehr pompös und erinnerte an einen Marsch. Der Chor sang englisch und ich war positiv von der guten Textverständlichkeit überrascht, was an der guten Aussprache des Chores lag. Beim Schlussstück haben die Solisten im Chorgesang mitgesungen und das ganze Orchester hat gespielt. Es war ein sehr würdiger und schöner Schluss des Abends.
Das Ende eines jeden Konzertabends bildet natürlich der Applaus der Zuhörer. Dieser ist auch dieses mal nicht gering ausgefallen. Es wurden noch einmal alle Solisten auf die Bühne geholt. Das Orchester und der Chor mussten oft aufstehen und sich verbeugen. Dann wurde auch noch Michael Käppler auf die Bühne geholt. Er hat das Abendprogramm mit dem Kammerchor einstudiert. Ich habe den ganzen Abend genossen und fand die Veranstaltung wunderschön.

Text: Johanna Rößler

Fotos:
Matthias Creutziger //Pressefotos Staatskapelle.
netzwerk projektziel// Pressefotos Kammerchor.
Die Fotos sind nicht vom Veranstaltungsabend.

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Kulturgeflüster kuratiert: Die Mai Favouriten

Jeden Monat sammelt unsere Redaktionsgruppe Kulturhighlights, die dann in einem Favouriten Video auf YouTube vorgestellt werden. Für Mai haben unsere Autor*innen ein buntes Programm zusammengestellt. Von Märchen Lesungen, über Poetry Slam bis zum finnischen Humpa Konzert ist für jedem etwas dabei.
Habt ihr auch Ideen für unser nächstes Video? Möchtet ihr über Kulturveranstaltungen berichten? Meldet euch gerne bei uns!!

Dresdner Studententage: https://www.dresdner-studententage.de/
Märchenlesungen: http://www.1001maerchen.de/spielplan.php
objekt klein a: Crowdfunding Kampagne: https://www.startnext.com/objektkleina
Eläkeläiset im Beatpol: http://www.humppa.com/
Dead or Alive Poetry Slam: http://www.staatsschauspiel-dresden.d…
Seven Songs for Sunrise: http://www.hellerau.org/seven-songs-f…
Mystic Braves: http://www.mysticbraves.com/

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6. Lange Nacht der Theater Dresden im Schnelldurchlauf

In Dresden war am 1.April Theaternacht. Hierfür gab es in ganz verschiedenen Spielstätten kurze Einblicke in Programme und vielfältige Programmpunkte. Birte saß in unserem Hörfunkstudio und erzählt über ihre Erlebnisse:

6. Lange Nacht der Theater Dresden im Schnelldurchlauf

Hallo und herzlich willkommen bei Kulturgeflüster. Mein Name ist Birte Gemperlein und ich nehme euch nun mit auf eine rasante Fazitreise zum 1. April. Denn da war es wieder einmal soweit. Nein, es folgt jetzt kein Best-of vergangener Aprilscherze, sondern es geht um die 6. Lange Nacht der Dresdner Theater. Das Prinzip dieser Kulturveranstaltung: Man kauft sich für ein paar Thaler ein Eintrittsbändchen und hat dann den gesamten Abend über Theater. Oder Oper oder Kabarett oder Tanz. Insgesamt 20 Veranstalter hatten an diesem Abend ihre Pforten für jeweils ca. 30-minütige Programme geöffnet. Wer jetzt mitgerechnet hat, merkt schon, es ist mehr als kaum möglich, alle Bühnen zu erklimmen. Ich hab mir deswegen schon im Vorfeld ein paar Stücke rausgesucht, die ich unbedingt sehen wollte.
Los ging es für mich im Schauspielhaus, über dessen Presseabteilung mein Theaterbändchen auch gesponsert wurde.

Als Astrid Lindgren-Kind wollte ich mir Mio, mein Mio nicht entgehen lassen – Kindertheater nach dem gleichnamigen Buch der schwedischen Kinderbuchautorin. Junges Ensemble mit viel Spielfreude, das die Geschichte des Waisenjungen Mio erzählt, der nach der Bekanntschaft mit einem Flaschengeist ins Land der Ferne reist, um seinen unbekannten Vater zu treffen und mit ihm Abenteuer zu erleben. Die atmosphärische Dichte sowohl von der Erzählung her als auch auf musikalisch-akustischer Ebene machen ein aufwendiges Bühnenbild nicht notwendig bzw. kann das tiefe Schwarz die Unendlichkeit vom Land der Ferne super vermitteln. Fazit: Eierkuchenessende Schauspieler in einem träumerisch-fantasievollen Stück – genau nach meinem Geschmack.

Vom Kindertheater ging’s dann weiter in die Comödie. Große Erwartungen meinerseits, weil ich in der Programmumschreibung von „Filmgeschichte“ las und sofort Bilder aus der Anfangszeit des Films um 1900 herum in meinem Kopf aufploppten. Es folgte ein unterhaltsamer Ausschnitt aus der Comedy-Revue „Ganz großes Kino“. Die 80er und 90er Filmhits Bodyguard, Pretty Woman und Dirty Dancing sowie die Liebeskomödie Schwer verliebt aus dem Jahr 2001, wurden auf ihre Kernszenen komprimiert und mit viel rotzigem Witz und Ironie parodiert. Musikalisch begleitet wurde von der Band The Firebirds, die mit viel Charme und Slapstickeinlagen die Originalhits performte. Fazit: Kurzweilig, schauspielerisch und musikalisch überzeugend, dennoch etwas clichébelastet, aber das mag auch daran liegen, dass die angespielten Filme für mich persönlich nicht gerade „ganz großes Kino“ sind und ich eben mit einer nostalgischen Zeitreise in schwarz-weiß Bilderwelten gerechnet hatte.

Nächstes Theater: Theater Junge Generation. Ich habe aus Versehen den Bühneneingang zur Staatsoperette genommen, der Pförtner zunächst erbost, verzeihte mir das Versehen und erläuterte mir am Fluchtplan meinen Standort und den Weg zu meinem eigentlichen Ziel. Ich flüchtete also nach Plan zum Haupteingang des TJG. Leider geriet meine Struktur da ins Straucheln, denn genau zu dieser vollen Stunde pausierte das TJG.
Gut, dass der Innenhof des Kraftwerks, der noch recht jungen gemeinsamen Produktionsstätte vom Gespann Staatsoperette und TJG, so heimelig eingerichtet war. Kleine Kraftfutterwerke konnten da erstanden und in lauer Sommernachtsatmosphäre verputzt werden.

Ich hab mir dann gedacht, weil der Pförtner von der Staatsoperette so nett war, sollte ich vielleicht einfach mal seinen Arbeitgeber besuchen. Etwas Revueshow – warum nicht. In der Staatsoperette wurde nämlich das Travestitendramusical „La Cage aux Folles“ gespielt. Ich hatte überhaupt keine Ahnung worauf ich mich einlasse und war dann positiv überrascht. Erzählt wird die Geschichte eines homosexuellen Travestiestars, der sich für ein Kennenlernen der erzkonservativen Eltern seiner zukünftigen Schwiegertochter seinem Sohn zuliebe in heterosexuelle Schale werfen will. Auch wenn Operette nicht unbedingt meins ist, war die Darbietung erfrischend, sehr komödiantisch und insgesamt eine runde Sache. Das Orchester klang mitreißend, der über den Orchestergraben wuschelnde Haarschopf des Dirigenten zeugte von dynamischer Leidenschaft.
Fazit: Kurzweilig, bunte Bühnenshow, tolles Bühnenbild und die schöne, starke, klare Aussage „Es hat keinen Sinn, wenn man nicht sagt, ich bin, was ich bin.“

Auf’s TJG hatte ich mich schon im Vorfeld gefreut. Denn im Stück „The Season“ trifft Puppenspiel  auf Text von Käptn Peng, der als wortgewandter Rapper bekannt ist und in dem Fall aus dem englischen Original des kanadischen Hip-Hopers Socalled übersetzte. Ja, die Wortwahl war frisch und keck, aber meiner Meinung nach etwas zu aufgesetzt jugendslangig. Etwas mehr Struktur in der Handlung wäre außerdem ganz gut gewesen. Ohne den Programmflyer hätten mir inhaltliche Anhaltspunkte gefehlt und ich hätte nicht unbedingt gewusst, dass es hier um die zeitgemäße Frage geht, ob das Boot bzw. der Wald voll ist. Das Bühnenbild und die Schauspieler konnten unabhängig vom Inhalt aber überzeugen. Und die Klappmaulpuppen wurden wirklich leidenschaftlich bespielt. Der Band, die im erhöhten Bandgraben saß, fehlte es wiederum etwas an frecher Frische, zumindest wirkten die Musiker eher nüchtern auf mich. Fazit: Was nützt einer Inszenierung der spielfreudigste Schauspieler, wenn dieser durch luftigen Inhalt bedingt keinen Platz für Entfaltung hat. Viel aufgedrehter Sesamestreet-Lärm um nichts.

Zum Abschluss des Abends wollte ich mich nochmal aus dem Dresdner Zentrum rausbewegen, um auch den unbekannteren, kleineren Theatern eine Chance zu geben. Hoppes Hoftheater klingt unkompliziert, gemütlich und nach schauspielerischer Nähe. Das Stück „Das Herz eines Boxers“ könnte ein guter Abschluss werden, dachte ich mir. Außderdem wollte ich das bislang Gesehene etwas sacken lassen. Ich hätte theoretisch eine der Buslinien nehmen können, die extra für die Theaternachtgäste organisiert wurde und so wie das gesamte Netz der DVB auch gratis genutzt werden durfte. Doch „I want to ride my bicycle“. Meine Orientierung als noch nicht ganz sattelfeste Ortskundige versagte etwas…so rollte ich ohne Boxerdrama durch die laue Frühlingsnacht.

Gesamtfazit: Einerseits eine tolle Veranstaltung und insbesonder für Menschen, die sich vom Eventcharakter angesprochen fühlen, eine tolle Aktion. Für die teilnehmenden Theater eine wunderbare Werbeplattform, denn unabhängig von Preiskategorien und Aufführungsterminen kann Theaterinteressierten das Reinschnuppern ermöglicht werden und Karten für die kompletten Stücke vermarktet werden. Was mich am Theater fasziniert, ist neben einer überzeugenden Darbietung auch die Auseinandersetzung danach. Ich interpretiere gerne rein in Requisiten, Bühnenbilder, Text, also ins Gesamtprodukt. Das ist ein Punkt, der bei der Theaternacht wahrscheinlich leider etwas zu kommt. Schön wäre es, wenn ich weniger hetzende, drängelnde Besucher und dafür mehr verweilende, diskutierende gesehen hätte.

Mein Motto zum Schluß: Lieber Treibenlassen mit bleibendem Entzücken, als hetzender Kulturkonsum mit Magendrücken.

Text und Produktion: Birte Gemperlein

Fotos: Klaus Gigga und Daniel Koch/ Pressefotos Theaternacht

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Kulturgeflüster kuratiert: Unser Favouritenvideo für Kulturhighlights im April

Wir haben uns ein neues Format ausgedacht. Im Favouritenvideo möchten wir unter dem Motto: „Kulturgeflüster kuratiert“ euch monatlich unsere Lieblingsveranstaltungen vorstellen. Hier unsere Ideen für den April

 

Alle Veranstaltungen im Video:
Filmfest Dresden
Termine: 4. – 9. April
Tickets: Einzelticket: 7,50€ (ermäßigt 5€) , 5er Ticket für 30€
Tipp: Kurzfilmprogramm Open Air auf dem Neumarkt

Deportation Cast im theater junge generation
Termine: 8. April 19.30 Uhr, 9.April 11 Uhr und 19.30 Uhr, 12.April 11 Uhr
Tickets: 12€, ermäßigt 6€

Film: Die Andere Seite der Hoffnung:
Termine: Schauburg oder Kino in der Fabrik
Hier gehts zum Trailer!

Dance Transit in Hellerau
Termine: 21. – 29. April
Tickets: zwischen 6€ und 15€
Tanzworkshop mit Peter Savel, Teilnahme ksotenlos, Anmeldung erfordelich

Kunsttage im Sektor
T
ermine: 21. – 23. April
Tickets: Kunstaustellung frei, Samstag zwischen 9 und 15€, Sonntag 10-12€

GRIM und Janda im Kukulida e.V.
Termin: 7. April, 20.30 Uhr

FIL BO RIVA in der Groovestation
Termin: 23. April, 20 Uhr
Tickets: 15€ VVK
Sarah Lesch im Jazzclub Tonne
T
ermin: 26. April, 20 Uhr
Tickets: AUSVERKAUFT (Neuer Dresden Termin: Sarah Lesch am 09. März 2018 im Beatpol)

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Yahala / Willkommen 20 Uhr bis 7 Uhr // Lange Nacht in Hellerau

„Yahala!“ – Willkommengeheißen wurden wir am 25.02.17 in Hellerau zur langen Abschlussnacht des Festivals „Mashreq to Mahgreb“, der neun Tage Tanz, Musik und Kunst aus der arabischen Welt vorangegangen waren. Der Titel „Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang“ wurde an diesem Samstag umgedreht, und so wurde von 20 Uhr abends bis 7 Uhr morgens das Festspielhaus für diese besondere Nacht geöffnet.
Zum einen war besonders, wie unterschiedlich das Publikum die Veranstaltung besucht hat. Unter den zahlreichen BesucherInnen waren nicht nur viele, die sich als „ZuschauerInnen“ für eine fremde Kultur interessierten, sondern vor allem auch eine große Anzahl, die die arabische Kultur ihre eigene nennt. Während für den einen Teil des Publikums also vieles im Programm neu und unbekannt war, war es für den anderen Teil altbekannt, heimatlich. Das hat die Stimmung der  ganzen Nacht geprägt.
Zum andern kam es zu Situationen, die einem persönlich nicht sehr oft bei Veranstaltungen in Dresden passieren. Auf der Bühne sagt der libanesische Singer/Songwriter Ziyad Sahha etwas auf arabisch an, Gelächter und Antworten aus der Menge folgen, man selbst versteht es nicht, da eine anschließende Übersetzung fehlt. Für einen persönlich natürlich nicht sehr schlimm, aber für viele im Publikum umgekehrt sicher ein Alltagsmoment, der auf Dauer frustrieren kann. ZuhörerInnen, unvertraut mit der arabischen Sprache, nehmen anders an den Auftritten teil, als etwa BesucherInnen, die diese verstehen. Die Klänge und Melodien der Musik Ziyad Sahhabs haben dennoch viel Stimmung transportiert und gaben einem nicht das Gefühl, außenvor zu stehen. Seine Lieder begleiteten die gesamte Nacht, insgesamt fünf Mal stand sein Name auf dem Programmzettel von „Yahala“.
Gestartet ist der Abend mit „Tarab“, einer zeitgenössischen Tanzperformance auf der großen Bühne und geendet mit einem Frühstück und Lagerfeuer im Hof. Dazwischen war die Zeit mit unterschiedlichen Programmpunkten gefüllt, wie Konzerten, einer Offenen Traum-Bühne, einer Teezeremonie oder Auftritten des Dance Lab, allerdings wirklich nicht zu straff. Das Programm der langen Nacht in Hellerau ließ auch Raum für die Spontanität und Beteiligung der BesucherInnen. Das war etwas, was wir vorher nicht so sehr erwartet hatten, was sich aber als gut und auch sehr wichtig herausstellte, da viele der besonderen Momente der Nacht dadurch entstehen konnten. Nicht der ganze Abend war durchgehend besonders aufgeladen oder emotional, aber es gab doch mehrere „magische“, berührende Momente, mit stark zu spürender, verdichteter Atmosphäre im Raum.
Zum Beispiel bei einem der Auftritte von Ziyad Sahhab. Am Rand begann ein alter Mann für sich zu der Musik zu tanzen. Er wird bemerkt und andere Männer und Frauen steigen darauf ein, fangen ebenfalls an zu tanzen, nun auch vor der Bühne. Das war für uns als „Außenstehende“ ein sehr spürbarer, spezieller Moment, die Situation wirkte völlig natürlich, nicht vorbereitet, fast intim. Wir kannten das Lied nicht, hatten keinerlei Verbindung oder tieferen Bezug dazu, wieder wird einem dieser Unterschied im Publikum bewusst, das die Volkslieder so unterschiedlich anhört und aufnimmt. Man fühlte sich wie ein Gast einer fremden Kultur, in die aber sehr gern Einblick gewährt wird. In dem Moment war auch ein Glücksgefühl zu spüren, gemeinsam diese Freude über den schönen Abend teilen zu können, ob arabisch oder nicht arabisch.
Sprachbarrieren sind Teil des Alltags und schaffen häufig ungewollte Distanz zwischen Menschen verschiedener Länder oder Kulturen. Auch an diesem Abend waren sie natürlich präsent, zum Beispiel bei den „Dreams“, bei dem jede/r die oder der wollte sich ans Mikro stellen und von seinen oder ihren Träumen,
Visionen und Wünschen erzählen konnte. Anfangs erzählte eine Frau von ihrer Hoffnung auf mehr Raum für zeitgenössische Kunst in Dresden. Allerdings konnte ohne Übersetzung nicht das gesamte Publikum ihrem deutsch vorgetragenen Traum folgen, es wurde ihr unterschiedlich aufmerksam zugehört. Dieses Problem wurde jedoch in einer späteren Dreamsession spontan und auf eine sehr schöne Art und Weise gelöst. Zwei Frauen standen auf und stellten sich neben den „Hauptträumer“ und übersetzten in ihre jeweilige Landessprache. So konnten alle im Saal verstehen und folgen, alle konnten an seiner Erzählung teilnehmen. Es wurde sich die Zeit für Verständigung und gegenseitiges Verständnis genommen und das war wieder ein besonderer, schöner Moment voll Wärme, Wohlwollen und Gemeinschaft.
Gemeinschaftlich war auch einer der Tänze des Dance Lab, der gegen Ende stattfand und dort zeitlich sehr passend war. Ein verbindender, verschmelzender,
lebendiger Tanz, auf den sich immer mehr Menschen aus dem Publikum einließen, sich erhoben, anschlossen. An den Händen haltend bildete sich ein
dynamischer, zusammenhängender, inniger Körper, der sich fortlaufend, voll fließender Energie durch den Raum bewegte. Musik und Tanz überwinden die gesprochene Sprache, sind eine Sprache ohne Worte, die jeder verstehen kann. Gesprochene Sprache steht im Alltag oft zwischen den Kulturen, deswegen ist es so wichtig die vielen anderen Aspekte einer Kultur kennenzulernen und viele solcher Gelegenheiten des Austausches zu bieten und wahrzunehmen.
Musik, Tanz, Kunst, Essen, … und darum ging es nach unserem Gefühl auch vor allem bei der langen Nacht, um dieses Kennenlernen und das Gemeinsame.
Zu spüren war oft auch ein bittersüßes Sehnsuchtsgefühl, das jeder kennt, der für längere Zeit sein zu Hause verlassen muss. Heimat, Geborgenheit und
Gemütlichkeit hätten noch durch eine liebevollere Dekoration unterstrichen werden können. Die Lounge im Nancy Speero Saal wäre ein guter Ort dafür gewesen.
Gerade die arabische Lebensart erinnert an ausgerollte, bunte Teppiche, geschmückte Lampen, verzierte Kissen und dampfende Wasserpfeifen. In der langen Nacht wurde viel von Frieden gesprochen und die Atmosphäre bei „Yahala“ war ebenfalls sehr friedlich, offen und entspannt. Der Traum und Wunsch von Frieden und Gemeinschaft war gegenwärtig und darin waren sich auch allesamt einig.
Text: Matilda Nitzling
Begleitung am Abend: Wiebke Mahrt
Fotos: Dieter Wuschanski