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Literatur und Lesungen Theater

Mit der Faust in die Welt schlagen

PEGIDA, Übergriffe auf Migranten und der große Wahlerfolg der AfD zeigen, dass rechtes Gedankengut seinen Weg in die Gesellschaft gefunden hat und offen verbreitet wird. Doch weshalb kommt es gerade im Osten und insbesondere in Sachsen dazu, dass PEGIDA und die AfD so viel Anklang und Zustimmung finden?

Die Inszenierung des Theaterstücks „Mit der Faust in die Welt schlagen“ hält sich eng, teilweise wortgetreu an seine Vorlage, den gleichnamigen Roman von Lukas Rietzschel. Rietzschel selbst wurde 1994 in Ostsachsen geboren und lebt heute in Görlitz.

Die Antwort auf die Frage, weshalb die politische Stimmung im Osten aufgeladen ist, wird exemplarisch an der Familiengeschichte der Brüder Phillipp und Tobias erzählt, die in der Lausitz der Nachwendezeit aufwachsen und deren Lebensumfeld von den Wunden, die die Wende in das Land gerissen hat, gezeichnet ist. Weniges ist vernarbt, viele haben sich noch nicht zurechtgefunden in dieser Welt, die sich auf nahezu allen Ebenen verändert hat. Die Gewissheit und Sicherheit von gestern ist Verfall und Ungewissheit gewichen. Und auch die jungen Menschen, die Nachgeborenen, finden keinen Halt; wie auch, wenn alles in Auflösung zu sein scheint. Die Trennung der Eltern, das schon längst geschlossene Schamottenwerk, der Terroranschlag am 11. September 2001 auf das World Trade Center, die Globalisierung und der entfesselte Kapitalismus – die Verunsicherung hält auch die beiden Brüder fest im Griff. In ihrem Unvermögen, sich in dieser als fremd empfundenen Welt zurechtzufinden, entwickeln sich die beiden Brüder immer weiter auseinander. Während der jüngere Tobi Zuflucht bei einer Gruppe Neonazis sucht, zieht sich Phillipp immer weiter in sich zurück. Als die PEGIDA-Bewegung in Dresden immer mehr Aufmerksamkeit erlangt und ihre alte Grundschule ein Heim für Geflüchtete werden soll, nimmt das Verhängnis seinen Lauf.

Rietzschels Auseinandersetzung mit diesem Stoff ist der Versuch, die derzeitige politische Situation in Sachsen historisch zu erklären und auf einzelne Menschen herunterzubrechen: Weshalb schließen sich immer mehr junge Menschen rechten Gruppierungen an oder teilen deren radikale Gesinnung? Dieses Problem ist nicht allein historisch zu begreifen. Auch die Sprachlosigkeit zwischen den Generationen und die Geheimnisse haben ihren Anteil, die Eltern und Großeltern, die über die Kriegs- und Nachkriegszeit, die DDR und die Wende schweigen, die eigene Schuld und Traumata verdrängen und jetzt keine Antworten geben auf die Fragen der Kinder. Zwei Diktaturen und die Wende scheinen die Menschen ihrer Identität gründlich beraubt zu haben. Was bleibt ist ein Gefühl der Machtlosigkeit, aus der die Radikalisierung oft der einzige identitätsstiftende Ausweg zu sein scheint.

Die Erwartung, die ich habe, als ich das schlichte Bühnenbild zum ersten Mal sehe, bestätigt sich später: Es ist eine typische Inszenierung des Staatsschauspiels. Die Schauspieler sprechen in Richtung des Publikums und immer wieder kommt eine Livecam zum Einsatz; viele Dialoge werden duellartig schreiend ausgetragen, als gäbe es für Schauspieler*innen keine Möglichkeiten, ihre Gefühle auf andere Art und Weise zu vermitteln, mit mehr Nuancen, mehr Schattierungen.

Die Charaktere und deren Entwicklungen sind manchmal zu oberflächlich, sodass ich manche Handlungen nicht vollkommen nachvollziehen kann, vor allem Tobias Veränderung wird im Stück nicht deutlich genug dargestellt.

Alles in allem bietet die Inszenierung dem Zuschauer nichts Neues: Keine neuen Ideen, kein neuer Umgang mit dem im Buch gebotenen Stoff. Dennoch ist die Inszenierung keinesfalls schlecht, lässt einen aber auch nicht zu Ausrufen der Begeisterung hinreißen. Das Stück greift Problematiken unserer Zeit auf, die aus der Vergangenheit entstanden sind, bringt einen zum Nachdenken, zum Hinterfragen der Wende, lässt einen den Kopf schütteln und die Ohnmacht der Charaktere nachempfinden gegenüber dem, was um sie herum gerade geschieht. Man beginnt zu verstehen – aber hat man deshalb Verständnis für die Radikalisierung derart breiter Bevölkerungsgruppen? Ein Gefühl der Ratlosigkeit übermannt einen…

Was sowohl dem Buch als auch den Theaterstück fehlt ist ein Lösungsansatz: Rietzschel beschreibt nur ohne zu urteilen. Er lässt den Zuschauer allein mit der Frage: Was nun? Aber vielleicht hat er recht: welche Schlüsse daraus zu ziehen sind für die Beurteilung und das eigene Handeln, das muss jede*r für sich selbst entscheiden.

 

Text: Leah Strobel

Bilder: Sebastian Hoppe, Marcelo Marques via Unsplash

 

 

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Allgemein Kunst Tanz und Theater

„Junge Choreograf*innen“ der Dresden Frankfurt Dance Company in HELLERAU

Einblicke in die Tänzerwelt und deren Choreografien

 

Stille und Schwärze im Großen Saal. Musik erklingt, ein Scheinwerfer beleuchtet für einen kurzen Moment eine Person. Danach wieder Schwärze.

So beginnt die Choreografie des jungen Choreografen Sam, welcher Tänzer in der Dresden Frankfurt Dance Company ist.

 

Das Programm ist anders. Es ist etwas Besonderes, vor allem für die Tänzer. Denn dieses Mal stammen die Choreografien, welche sie auf die Bühne bringen, nicht von dem Direktor der Company, Jacopo Godani, sondern von ihnen selbst.

5 der 18 Tänzer der Company können somit eine riesige Erfahrung machen und sich sowohl als Tänzer, als auch als Choreografen weiterentwickeln. Denn sie kümmern sich nicht „nur“ um die Entstehung der Choreografie, sondern auch um die perfekte Ausführung durch ihre Kollegen, sowie Musik, Licht, Kostüme, Make-up und tanzen teilweise sogar selbst in dem Stück.

Den Start des Programmes macht das Stück von Sam Young-Wright, welches von Anne Jung getanzt wird und den Namen „Carnegie Solo“ trägt. Es ist eine Erwiderung auf das Solo-Konzert des Pianisten Keith Jarrett. Die spontane Improvisation des Künstlers inspirierte Sam, verschiedene physische Zustände des Menschen zu untersuchen und dem Publikum so einen Einblick in seine Psyche zu verschaffen.

 

Danach folgt ein von Michael Ostenrath choreografierter Tanz. Er heißt „Haus“ und wird von fünf anderen Tänzern der Company ausgeführt. Micha schafft in diesem Stück die Zuordnung des Menschen in Kategorien, wie zum Beispiel die Geschlechtszugehörigkeit, ab und lässt eine völlige Freiheit existieren, ohne Meinungen und Urteile.

 

Die dritte Performance namens „Ectomorphs“ stammt von Vincenzo De Rosa, welches er als Duett mit Joel Small vorführt. Es untersucht die tiefsten Ebenen von Körper und Geist und wendet sich schon fast dem Tierischen zu.

Die Choreografen der beiden letzten Stücke habe ich interviewt:

 

Leo tanzt seit seinem 11. Lebensjahr an der staatlichen Ballettschule in Berlin. Seine Mutter hatte ein Tanzstudio und war Lehrerin. Somit ist er mit dem Tanz aufgewachsen. Eine richtige Leidenschaft entwickelte sich jedoch erst, als er 16 war. Denn seine Klasse wurde internationaler, seine Leistungen mussten steigen und er begann, die Tanzwelt zu verstehen und zu lieben. Nun tanzt er seit 4 Jahren in der Company von Godani.

 

Anne war, bis sie 17 Jahre alt wurde, im deutschen Nationalteam der Rhythmischen Sportgymnastik. Während ihres BWL Studiums begann sie nebenbei im Ballettstudio zu trainieren. Eine Lehrerin ermunterte sie, mehr aus ihrem Talent zu machen. Die beiden trainierten täglich, so dass Anne die Aufnahmeprüfung an die Hochschule bestand. Im Januar 2017 wurde sie Mitglied der Company.

 

Die Dresden Frankfurt Dance Company setzt sich unter der Leitung von Jacopo Godani als Ziel, den zeitgenössischen Tanz voranzutreiben.

Das Training beginnt täglich 10:30 Uhr mit dem klassischen Ballett. Es ist wichtig für die Tänzer, diese Basis zu haben, um dann im zeitgenössischen Stil so viel wie möglich experimentieren zu können und dadurch tolle Choreografien entstehen zu lassen.

Von 12 bis 18 Uhr probt die Company ihre Vorstellungen in ihren Studios in Frankfurt. Es gibt 4 große Werke pro Jahr. Jedes wird in Frankfurt und Hellerau aufgeführt, wodurch Hellerau wie eine zweite Heimat für die Tänzer ist. Zwischendurch ist die Company auf Tournee. Die Tänzer waren zum Beispiel schon in Barcelona, Moskau und Belgrad.

 

Als ich die Tänzer fragte, was bisher ihr größtes Erfolgserlebnis war, erzählte mir Leo, dass er eine Weile gebraucht hat um die Idee Jacopos zu verstehen. Nach einem Jahr hat er sich dann richtig in der Company eingefunden und Jacopo begann, ihm sein Vertrauen zu schenken. Nun darf er Tänze im Namen seiner Company auf die Bühne bringen, was für ihn eine große Ehre ist.

Leos bzw. das Stück von David Leonidas Thiel nennt sich „Orbit“ und es sind 5 Tänzer integriert. Der Tanz basiert auf der mystischen Lehre von Zahlen, nämlich der Numerologie. Denn unser mathematisches Zahlensystem wurde nicht erfunden, sondern in der Natur gefunden. Die wichtigsten Zahlen sind 1 und 9. Vor allem im Kreis spielt die 9 eine große Rolle. Davon inspiriert entwickelte Leo die Bewegungen, die Aufstellungen und die Lichteffekte für seinen Tanz.

 

Für Anne Jung ist das größte Erfolgsgefühl der Applaus. Diesen bekam sie für ihr Stück

„threewithfour“ auf jeden Fall. Es ist ein Quartett, welches in zwei Duette unterteilt und vom Tango inspiriert ist. Anne geht es bei diesem Tanz vor allem darum, die Zweisamkeit eines Paares darzustellen und den Zuschauern einen Einblick in den Tanzsaal zu verschaffen. Die beiden Paare durchleben verschiedene Gefühlssituationen einer Beziehung und tanzen sehr intim.

 

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Premiere des Werkes „Junge Choreograf*innen“ eine sehr gelungene Aufführung war und definitiv weiterzuempfehlen ist. Die Tänzer, die Kostüme, Musik und Licht waren sehr überzeugend und hätte man nicht gewusst, dass die Choreografien nicht von professionellen Choreografen stammen, wäre es überhaupt nicht aufgefallen. Als Zuschauer muss man sich einfach mal für eine Stunde komplett fallen und die Bewegungen auf sich wirken lassen. Denn zeitgenössischer Tanz kann oft entfremdend wirken und gleichzeitig ein ganz besonderes Gefühl in einem hervorrufen, welches man so noch nicht kannte. Meiner Meinung nach war es etwas schade, dass am Ende nicht noch einmal alle Tänzer und Tänzerinnen auf die Bühne gekommen sind, sondern nur die Choreograf*innen. Alles in allem hat mir die Vorstellung jedoch sehr gut gefallen.

 

Text: Amelie Zarbock

Bilder: Dresden Frankfurt Dance Company

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Kunst Literatur und Lesungen Theater

„PPNews: Gerüchte“ ein Theaterspaziergang der Armada of Arts durch Gorbitz

Gorbitz bekommt eine Schwebebahn?!

Am Abend des 17.06.2019 gab es einen spannenden Spaziergang durch Gorbitz mit der Moderation von Mika Eni Bott. Sie erzählt Gerüchte über Amalie Dietrich als Gärtnerin sowie über das Leben in Gorbitz. In diesem Spaziergang versucht Mika die Wahrheit hinter der „I <3 GRBZ“ Kampagne herauszufinden, welche von den Befragten Einwohnern stark abgelehnt wird, da diese Gorbitz weniger asozial macht und damit zu viele Touristen kommen würden. Nach der Befragung einer Ex-Polizistin kommt das Gerücht auf, dass die Bewohner des Weißen Hirsches hinter der „I <3 GRBZ“ Kampagne und dem Banküberfall steckt. Außerdem soll eine Schwebebahn in Gorbitz gebaut werden, welche am Amalie Dietrich Platz startet. Kurzzeitig kommt das Thema Hartz-IV-Empfänger auf, über das sehr zynisch hergezogen wird. Ein anderes Thema ist ein Hund, der in Gorbitz eine Frau angegriffen hat. Hierbei wird aus der Sicht des Hundes erzählt, wobei es sehr beeindruckend ist, dass es mit einem echten Hund aufgeführt wird und der Schauspieler sehr flexibel auf den Hund reagiert hat. Allerdings gibt es auch kritische Meinungen über soziale Probleme, die im Stück nicht beschönigt werden.

Die Darsteller schafften es, das Thema trotz seines ernsten Inhaltes humorvoll und spielerisch aufzuführen. Besonders die Imitation des Hundes und seines Spielzeuges fanden positiven Anklang.

 

Beitrag von Karoline Adam, Aylin Koc, Paula Ramminger, Walerija Geiser, Victor Kühne und Anton Schieche im Rahmen der Projektwoche des Marie-Curie-Gymnasiums

Bilder von Kirsten Spott und Anna Brotankova

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Allgemein Musik Tanz und Theater Theater

„#Prohlis_Paradies“ ein Tanz- und Musiktheater in HELLERAU

Prohlis: Paradies oder nicht?

Das Stück #Prohlis_Paradies ist zum Großteil von Kindern und Jugendlichen der 121. Oberschule Dresden-Prohlis entwickelt und aufgeführt worden. Insbesondere überraschen die Kinder, indem sie sich ohne Angst in das Scheinwerferlicht stellen. Neben den schauspielerischen Elementen ist auch viel mit Technik gearbeitet worden. Unter anderem sind Filmclips auf drei Bildschirmen zu sehen, welche die Jugendlichen selbst gedreht und produziert haben. Jedoch haben die optischen Reize uns überfordert, so dass es uns schwerfiel das Große Ganze zu überblicken.

Auch die musikalischen Fähigkeiten der Band und der Solisten sind nicht außer Acht zu lassen. Das Verhältnis zwischen den vier Komponenten Schauspiel, Tanz, Musik und Technik ist sehr ausgeglichen gewesen.

Insgesamt hat uns das Stück sehr gut gefallen, da den Schauspielern die Freude anzusehen war. Im Nachgespräch wurde uns bestätigt, dass neben der Freude auch viel Arbeit sowohl durch die Choreografin als auch durch die Kinder und Jugendlichen in dieses Stück investiert wurde.

 

Beitrag von Karoline Adam, Aylin Koc, Paula Ramminger, Walerija Geiser, Victor Kühne und Anton Schieche im Rahmen der Projektwoche des Marie-Curie-Gymnasiums

Bilder von Konrad Behr

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Allgemein Kunst Theater

„Addressless“ im Rahmen des Bürgerbühnenfestivals des Staatsschauspiels Dresden

„Addressless“ oder: Humopoly

„Addressless“ wird von einem ungarischen Theaterkollektiv aufgeführt, das die Inszenierung selbst entwickelt hat. Dementsprechend ist alles auch in und für Budapest, Ungarn, inszeniert. Inszenierung ist dabei bereits ein wichtiger Hinweis für die Beschaffenheit des Stücks, denn bei „Addressless“ handelt es sich keineswegs um ein Theaterstück im klassischen oder irgendeinem Sinne. Es trifft mehr den Aufbau des allseits beliebten Spiels „Monopoly“: es wird gepokert, abgewogen, bezahlt, gewonnen, verloren. Dazu wird das Publikum in drei Gruppen geteilt, die jeweils einer Figur (im spielerischen wie auch theatralen Sinne) zugeordnet werden. Jede Figur hat andere Voraussetzungen, in das Spiel zu starten, eine andere Biografie. Eine Gemeinsamkeit haben sie jedoch alle: sie leben auf der Straße, sind wohnungs-und obdachlos. Nun geht es darum, mit klugen Gruppenentscheidungen einen positiven Einfluss auf das Leben der Figuren zu nehmen. Dreh-und Angelpunkt dabei: Geld. (An die gravierenden Unterschiede zwischen der europäischen Währung Euro und der ungarischen Währung Forint muss man sich dabei erstmal gewöhnen, denn der Wechselkurs ist keineswegs zugunsten der Ungar*innen.)

Jede Figur ist mit demselben lächerlich niedrigen Startkapital ausgestattet, das dazu genutzt werden kann Aufenthalte in Notunterkünften oder Heimen sowieso Nahrungsmittel zu finanzieren. Alternativ zum Dach überm Kopf gibt es die Option, auf der Straße zu leben. Außerdem kann jede Figur entscheiden, arbeiten zu gehen (und deswegen weniger Zeit zu haben, die kostenlosen Suppenküchen etc. in Anspruch zu nehmen) oder zu betteln (was generell weniger finanziellen Output generiert). Diese Entscheidungen werden für einen Monat, im Laufe des Spiels dann für ein halbes Jahr, getroffen. Ende jeden Monats ist Zahltag, zu dem Umschläge mit dem erbettelten oder erarbeiteten Gehalt gezogen werden. Davon sind jegliche Entscheidungen für den nächsten Monat abhängig. Je nachdem, welche Entscheidungen man trifft, wird der gesundheitliche Zustand der Figur beeinflusst. So ist es z.B. am „gesündesten“ in einem Heim zu wohnen und nebenbei zu arbeiten, am schädlichsten ist es jedoch, auf der Straße zu leben und gleichzeitig zu betteln. Dementsprechend wird jeder Figur am Anfang des Monats „Lebensjahre“ abgezogen. Ab einer bestimmten Jahreszahl ist die Figur in einem so katastrophal schlechten Zustand, dass sie nicht mehr in der Lage ist, zu arbeiten (was ihr Einkommen beträchtlich verringern kann). Es ist ein ständiges Abwägen um Gesundheit und damit verbundenen Lebensjahren oder Geld und damit verbundener Unabhängigkeit. Darüber hinaus kommt im Laufe jedes Monats natürlich das Leben noch mit ins Spiel, denn das sorgt für unvorhergesehene Überraschungen, positive wie negative.

 

Mit dieser Inszenierung wird das Glücksspiel des Lebens par excellence abgebildet und spürbar gemacht. In der prekären Lebenslage von Menschen ohne festen Wohnsitz erreicht dieses Glücksspiel eine noch viel höhere Ebene, da ihr Leben neben dem Glück nicht wirklich von irgendetwas anderem beeinflusst wird. Stattdessen leben sie in ständiger Abhängigkeit von gnädigen Menschen, die ihnen Geld geben oder ein Brötchen kaufen; von Sozialarbeiter*innen, die ihnen weiterhelfen können oder eben nicht; vom Immobilienmarkt, der Wohnungen nur an wohlhabende Menschen verkauft oder aber an Touristen vermietet und eben auch von Vater Staat, der Verbote für das Leben auf der Straße erlässt und Wohnungslose damit nicht nur ins soziale Abseits drängt, sondern sogar noch kriminalisiert. Und das ist die gute Seite. Richtig schlimm wird es, wenn man noch dazu in Substanzabhängigkeiten gerät, die einem nicht nur alles Geld, sondern möglicherweise auch noch jeglichen Verstand für kluge Entscheidungen nehmen. Jene werden im Falle des Stücks vom Publikum getroffen, das zum Großteil aus Menschen besteht, die sich Theaterbesuche leisten können, Herren und Frauen ihrer Sinne sind und möglicherweise für sich selbst noch nie derart existenzielle Fragen beantworten mussten. Für die Figuren im Stück ist dies möglicherweise ein großes Glück, da ihnen die Last der Verantwortung für sich selbst abgenommen und außerdem stets in ihrem Sinne entschieden wird. Wenn im „echten“ Leben der einzige Entscheidungsträger das Glück ist, wären vielleicht nicht alle Figuren am Ende des Spiels noch am Leben gewesen.

Diese Brisanz schickt einem das ganze Stück über Adrenalinstöße durch die Blutbahnen, man kann es gar nicht abwarten, bis die nächste Entscheidung gefällt werden soll, denn dieses eine Ziel, am Leben zu bleiben, energetisiert ungemein. Dazu kommt die schier unendliche Sympathie für die Figuren, die von Menschen verkörpert werden, deren Authentizität im Spiel erschreckend darauf schließen lässt, dass möglicherweise gar nichts gespielt ist, sondern schlicht eine Rekapitulation von Erlebtem zu sehen ist.

Am spannendsten für mich war ein entscheidender Bruch im Stück. Die ganze Inszenierung spielt in einem kapitalistischen System, in dem die Abhängigkeit vom Kapital unumgänglich ist. Diese ist stets auch geprägt von Konkurrenzdenken und Wettbewerb unter den Parteien, die nach Kapital streben. Doch diese wesentliche Facette des Kapitalismus hat im Stück gefehlt. Stattdessen wurde sich untereinander unterstützt, finanziell ausgeholfen, gemeinsam Wohnungen gegründet etc. Möglicherweise erweitert dies nur noch die Liste der Abhängigkeiten, andererseits könnte es auch eine Option sein, dem Kapitalismus, der das Übel für das Leben wohnungsloser Menschen ist, ein Schnippchen zu schlagen.

Auf jeden Fall ermutigt es, diese Sympathie, die man im Spiel gespürt hat und die Solidarität, die zwischen den Figuren spürbar geworden ist, auch aus dem Theatersaal in die Öffentlichkeit zu tragen, Partei zu ergreifen, Perspektiven und Blickwinkel neu zu justieren und prinzipiell schlichtweg ein Bewusstsein für das Leben wohnungsloser Menschen zu entwickeln.

Denn egal, ob sie dieses Leben freiwillig wählen, aus Angst vor den sexuellen Übergriffen des Stiefvaters auf die Straße getrieben oder durch Spielsucht ihre Wohnung nicht mehr bezahlen können, sind und bleiben sie Teil der Gesellschaft und sollten auch als diese wahrgenommen und behandelt werden, von jedem*r persönlich sowie auch von staatlicher Seite. Und dafür sind weder Bettelverbote noch gesetzliche Verbote förderlich.

Text: Leah Stange

Bild: Máté Barthaneu

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Allgemein Ausstellung Kunst Theater

„In Many Hands“ eine alternative Sinneserfahrung in HELLERAU

In Many Hands – Fass mit an 

 

Kate McIntosh´s Stück “In Many Hands” wurde am 15.-17.05.2019 im Festspielhaus Hellerau mit vier Vorstellungen aufgeführt. 

Wie fühlen sich die Hände deines Nachbarn an? Rau, oder glatt? Feucht, oder trocken? Warm, oder kalt? Sind sie klein, oder groß? Alt, oder jung? Hände sagen viel über einen Menschen aus. Bei „In Many Hands“ wird zwar nicht geredet, aber man erfährt trotzdem eine Menge über seinen Nachbarn. Wie reagiert er auf bestimmte Dinge? Wie beeinflussen die Menschen im Raum das Stück? 

In dem Stück sitzen die Teilnehmer an langen im Dreieck angeordneten Tischen. Alle Anwesende sitzen mit dem Rücken zueinander. Ein langer Streifen Papier wird weitergegeben. Anschließend werden bestimmte Bewegungen über den Tisch weitergegeben und die Hände auf und unter die Hände der beiden Nachbarn gelegt. In dieser Position fangen die Besucher an, Dinge herumzugeben, angefangen mit Eis. Dann wird eine Stimmgabel angestimmt, so dass der Nachbar über seine Hand den Ton spüren kann. Als nächstes werden ganz verschiedene Gegenstände über den Tisch verbreitet. Etwas zum Hören, etwas zum Riechen, etwas zum Fühlen und etwas zum Anschauen, vom Metallblock bis zur Erde ist von allem etwas dabei. Nachdem vermutlich alle Hände im Saal vollkommen verschmutzt sind, wird allen Teilnehmern die Möglichkeit gegeben, sich die Hände zu waschen. Die Plätze werden gewechselt, so dass man sich jetzt gegenübersitzt und alle Teilnehmer ansehen kann. Und noch einmal werden Bewegungen weitergegeben, bis zu einer finalen Position, die der „Oktopus“ genannt wird. Dabei unter- und übergreift man die Hände der Nachbarn und hält die Hände des Übernächsten am Tisch. Doch dann geht das Licht aus. Anfangs wird eine Kerze herumgegeben, aber dann vorrangig Dinge, welche interessante Geräusche machen, wie beispielsweise Schneckenhäuser oder Klebeband. Das interessante an dem zweiten Teil ist die sich zuspitzende Geräuschkulisse, bis hin zu getrockneten Erbsen, die von allen Seiten fallen und rollen.  

Zum Finale wird ein großes Stück Plastik an der Decke des Raums aufgespannt. Wenn das Licht langsam wieder an geht, kann man in dem spannenden Schattenwurf zum Beispiel Wellen erkennen. 

 

Das wirklich Spannende an dem Stück von Kate McIntosh ist nicht unbedingt, was herumgegeben wird, sondern die Energie und die Stimmung, die im Raum herrscht, das Gefühl und die Ruhe, die die Teilnehmer in sich selbst spüren können Es ist meiner Meinung nach ein spannendes und interessantes Projekt, welches mir auch die Ruhe, Kraft und den Anstoß gegeben hat, zu reflektieren und mit anderen Menschen darüber zu reden. Daher kann ich das Stück für Kulturinteressierte wirklich empfehlen. 

 

 Beitrag von Victoria Langhans

Foto von Dirk Rose 

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Theater

Märchen mal anders – „And in the 1000th Night…“ in HELLERAU

Märchen mal anders – And in the 1000th Night…

 

Sechs Stunden lang englische Märchen hören. Das klingt für die meisten wahrscheinlich nach einer ziemlich langweiligen Beschäftigung. Wie die aus Sheffield (GB) stammende Theatergruppe „Forced Entertainment“ in ihrem Stück „And in the 1000th Night…“ beweist, muss dies aber nicht der Fall sein. In diesem Klassiker des Performance-Theaters, der im Jahr 2000 für das für das Festival Ayloul in Beirut zum ersten Mal auf die Bühne gebracht wurde, denken sich die Darsteller*innen sechs Stunden lang Märchen aus.

Zu acht sitzen sie auf der Bühne, eine Pappkrone auf dem Kopf und einen roten Umhang um die Schultern.  Im Hintergrund steht ein Tisch, gedeckt mit verschiedenen Speisen, an welchem sich die Akteure zwischendurch bedienen können. Dann fangen sie an zu erzählen. Jedes Märchen fängt mit dem gleichen Satz an und endet, wenn der Nächste eine Idee hat und „Stop! Once upon a time…“ sagt. Auf diese Art und Weise kommen in den folgenden sechs Stunden die komischsten Geschichten auf die Bühne: Von Walen, die zu Doppelagenten ausgebildet werden sollen, aber eigentlich nur aus einem Themenpark ausgerissen sind, von Fischen, die nicht schwimmen können oder von Geschichten, die zu lang waren, um in einen Van gepackt zu werden. Doch keines dieser Märchen wurde beendet, immer wenn es gerade spannend wurde, oder der Erzähler ins Stocken kam, wurde unterbrochen und die nächste Geschichte zum Besten gegeben. Manches kam einem auch bekannt vor, aber bevor man wusste woher, fing schon wieder die nächste Erzählung an. Das hatte zur Folge, dass es immer spannend blieb, gleichzeitig fragte man sich aber auch, wie die Geschichte weitergegangen wäre.

Auch die Sitzkissen auf der Tribüne und die Möglichkeit jederzeit eine Pause zu machen, zum Beispiel um kurz etwas zu essen, trugen dazu bei, dass sich das lange Stück gut aushalten ließ. Ich würde mich auf jeden Fall nochmal vor eine Bühne setzen, um diesen acht Künstlern mit ihren lustigen Geschichten meine Aufmerksamkeit zu schenken.

Text: Ingrid Hering

Foto:  Hugo Glendinning

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Tanz und Theater Theater

„Dis Sylphide“-Drei Klassiker des modernen Tanzes neu inszeniert in HELLERAU

Dis Sylphide – Drei Klassiker des modernen Tanzes neu inszeniert

 

Zwölf Personen sitzen schweigend auf kreisförmig aufgestellten Hockern. Das ist der Anfang von Dis Sylphide. Zusammen mit den inklusiven Theatergruppen „Per.Art“ aus Novi Sad in Serbien und „Meine Damen und Herren“ aus Hamburg rekonstruiert, untersucht und verkörpert Saša Asentić in diesem Stück drei Klassiker des modernen Tanzes: „Hexentanz“ von Mary Wigman, „Kontakthof“ von Pina Bausch und „Self Unfinished“ von Xavier Le Roy.

 

Die serbische Tänzerin Natalija Vladisavljević beginnt nachdem andere Künstler eine Kurzgeschichte und ein Gedicht aus der Feder der Tanzenden vorgelesen haben mit ihrer Interpretation von Mary Wigmans „Hexentanz“. Musikalisch begleitet wird sie durch die anderen Darsteller*innen, welche zunächst mit angefeuchteten Fingern auf Weingläsern Töne erzeugten, dann auf ihre Hocker schlugen und schlussendlich anfingen zu schreien.

Urplötzlich folgte Stille auf diesen lauten Höhepunkt und die Künstler begannen in aller Seelenruhe die Bühne umzugestalten bis schließlich alle Hocker verschwunden waren, dafür aber eine Stuhlreihe an der hinteren Wand stand.

 

Im zweiten Teil des Stückes untersuchten die Akteure „Kontakthof“ und präsentierten sich zunächst wie in der Anfangsszene dieses Werkes. Im Anschluss unterhielten sie sich auf Englisch, Deutsch und Serbisch über das Stück aus dem Jahr 1978. Es wurden weitere Szenen getanzt, nicht selten, ohne das Publikum einzubeziehen. So wurde zunächst eine Art Kampf zwischen Männern und Frauen gezeigt, jedoch ohne, dass die zwei Gruppen sich berührten. Sie drängten sich vielmehr gegenseitig an die Wände des Raumes und riefen sich dabei die Befehle „Kopf, Schulter, Bauch, Bein“ zu. „Dieser Kampf zeigt eine Form von Gewalt“, meint Tom Reinecke, „es handelt sich hierbei aber nicht um physische, sondern eher um psychologische Gewalt“. „Auch das Präsentieren am Anfang spiegelt eine Art von Gewalt wieder, da das Publikum jeden Einzelnen regelrecht anstarrt.“, so Snežana Bulatović.

Die drei folgenden Performances zeigen den Ausschluss einzelner Tänzerinnen durch die Gruppe, nur eine der drei aber lässt sich nicht unterkriegen. „wir wollen zeigen, dass jede Frau stark ist“, sagt Celina Scharff. Zusammengefasst wird das Stück mit einem Zitat Can Gecirs, der in einer früheren Arbeitsphase von Dis Sylphide mitwirkte: „Kontakthof ist ein Spiegel unserer Gesellschaft. Es zeigt uns, dass wir uns gegenseitig ausschließen.“

 

Bevor die Darsteller*innen zum dritten Teil übergehen, wird noch ein letztes Mal das Publikum für einen Tanz auf die Bühne geholt. Jedes Paar wippt von einem Fuß auf den anderen, manche unterhalten sich, andere genießen diese fünf Minuten lautlos. In der letzten halben Stunde von Dis Sylphide verkörpern die Tänzer „Self Unfinished“ aus dem Jahr 1998 und bewegen sich sehr langsam und leise über die Bühne.

 

So geht nach anderthalb Stunden ein spannendes Stück zu Ende.  Ich denke, ich kann für alle Zuschauer sprechen, wenn ich sage, dass es beeindruckend war, wie die beiden inklusiven Gruppen zusammengearbeitet haben, um Dis Sylphide auf die Beine zu stellen. Es hat Spaß gemacht, zu sehen, mit welcher Leidenschaft die Akteure getanzt haben. Interessant fand ich auch die Gestaltung des zweiten Teils ähnlich einer offenen Probe. Durch die Gespräche, welche auf der Bühne geführt wurden konnte man sich selbst noch einmal Gedanken über das davor Gezeigte machen. Saša Asentić und die beiden inklusiven Theatergruppen haben mit Dis Sylphide ein sehr besonderes Stück geschaffen, welches ich nur weiterempfehlen kann.

 

Text: Ingrid Hering

Bild: Anja Beutler

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Theater

„Gegenwind“ eine Werkstattaufführung des Clubs der beschleunigten Bürger*innen im Kleinen Haus

Die Spielfläche als Ausstellungsbereich. Die Schauspieler als Ausstellungsobjekte und mittendrin ein hängendes Netz angereichert mit unzähligen bunten Bällen.

Das ist der erste Blick, denn die beschleunigten Bürger dem Eintretenden bieten. Es wird herumspaziert, ausgekundschaftet und das Publikum hat die Möglichkeit ganz ungeniert zu starren. Zitate zu jedem „Objekt“ werden auch gleich mitgeliefert.

Und dann geht’s los. Die Szenerie: Gruppentreffen, Atemübungen, nicht aus der Ruhe bringen lassen vom Alltag, kleineren Sperenzien, Hunger oder so ganz allgemein dem Leben. Zuspätkommer stören das Bild und die Ruhe sowieso. Gruppe fasst sich und fasst sich wieder.

Störfaktor bunter Ball macht seine Runden, offenbart die kleinen, die winzigen und die weniger großen Gründe fürs Zuspätkommen.

Wenige Augenblicke später befindet sich die Bühne in Aufruhr. Schreie nach einer Revolution werden laut, die Ideen der Umsetzung gehen auseinander. Interpretationen des Wiederstandes liefern sich den Schlagabtausch. Die Masse mal im Achtsamkeitsrausch, mal mit animalischer Triebhaftigkeit unterwegs, dann wieder gierig am Tanzen. Bälle fliegen nur so umher, von allen Seiten. Langweilig wird es nicht. Themen wie Konsum und Ausgrenzung stehen im Raum. Tauschpartys und Abgrenzung resultieren.

Die Konstellationen sind ständig im Wechsel. Da werden abwechselnd 3 Lebensentwürfe im blendenden Scheinwerferlicht vorgestellt und die Akteure nebenbei mit Bällen beladen, oder Ballast? Oder über die Bühne verteilte Paar-Konstrukte kommen auf Magnete zu sprechen. Zum Ende hin stößt der Zuschauer auf einen inneren Monolog, der es in sich hat. Da ist von „Wiederstand gegen den Wiederstand“ die Rede und dass man sich selbst manchmal etwas entgegen setzten muss, um weltlich zu bestehen.

Und auch die musikalische Bebilderung untermalt dieses Wechselspiel der Gewalten immer wieder neu, bis am Ende nur noch das Geräusch von fallenden Bällen übrigbleibt. Poetischer geht nicht.

Wiederstand ist allgegenwärtig. Zieht sich gemeinsam mit den immer wiederkehrenden bunten Bällen straff gespannt als roter Faden durch den Abend.  Der Gegenwind weht beständig, dreht die Richtung, überrascht, überrumpelt, überwindet um am Ende im Nichts zu Vergehen.

Ein Besuch der sich lohnt.

 

 

Text und Foto: Renée Jäger

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Allgemein Theater

„Eine Straße in Moskau“ im Staatsschauspiel Dresden

Das Dresdener Staatsschauspiel ist für seine großartigen und aufwendigen Vorstellungen bekannt und auch mit der Uraufführung von „Eine Straße in Moskau“ haben sie diesen Erwartungen durchaus entsprochen. Das Stück zeichnet sich vor allem durch die Dynamik der handelnden Personen sowie die oft humorvolle Art und Weise seiner Umsetzung aus. Dahingehend hat Regisseur Sebastian Baumgarten zuvor nicht zu viel versprochen als er einen humorvollen und distanzierten Blick auf das historische Geschehen ankündigte. Kam es innerhalb eines Dialogs auf Seiten eines Darstellers zum Monolog wurde dieser meist vom anderen Dialogpartner durch eine humorvolle Bemerkung wieder unterbrochen. So fiel es stets recht leicht der Handlung zu folgen, unterstützt wurde dies auch durch den künstlichen Nebel, der einzelne Szenen und Schauplätze voneinander trennte. Ohne zu viel verraten zu wollen kann durchaus angemerkt werden wie raffiniert vier verschiedene Bühnenbilder dank drehbarer Kulisse erzeugt wurden. Kritisch anzumerken ist, dass der erste Teil mit zwei Stunden Spielzeit die Ausdauer des Zuschauers auf die Probe stellte was einige Besucher wohl verschreckt hat. Dadurch entging ihnen ein wesentlich kürzerer und doch interessanter und handlungsintensiver zweiter Teil der Vorstellung. Lobenswert war überdies die technische Gestaltung durch verschiedene Helligkeits- und Wärmenuancen des Bühnenlichts, sowie die Darstellung von Gedanken auf einer zentralen Leinwand. Hierbei muss jedoch angemerkt werden das diese oft nur schwer lesbar waren, da sie von künstlichem Nebel verhüllt wurden.

Schlussendlich lässt sich festhalten, dass die Interpretation von „Eine Straße in Moskau“ durch das Dresdner Staatsschauspiel durchaus gelungen ist.  Auch kleinere Hürden sollten einem Theaterbesuch nicht im Wege stehen.

 

 

Text: Maria Raab

Foto: Sebastian Hoppe